Ein Gespräch mit Karsten Speck über „Honig im Kopf“

Ein Gespräch mit Karsten Speck über “Honig im Kopf“

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?                                              Ich hab mich auch halt mit der Krankheit beschäftigt und den Film gesehen. Ich glaube es ist gut, wenn man diese Rolle spielt und das Theaterstück macht, dass man sich den Film auch anguckt. Was auch sehr wichtig ist, dass man trotzdem eine theatralische Form findet. Den Film eins zu eins auf die Bühne zu bringen, wäre unsinnig. Ich denke, dass wir mit einfachen theatralischen Mitteln gearbeitet haben. Ich habe mich mit Menschen unterhalten, deren Angehörige an Alzheimer erkrankt sind oder eigene Erfahrung im Bekanntenkreis gemacht haben und sicherlich versucht, die eine oder andere Erfahrung einzubringen. Aber, indem man sich mit dem Stoff beschäftigt,merkt man, dass man gewisse Sachen so nicht vorbereiten kann, wie es nachher geprobt wird.    

 Hat sich Ihre Sichtweise auf die Krankheit Alzheimer verändert?              Nein, überhaupt nicht, weil ich schon vorher sehr großen Respekt habe/hatte vor Menschen, die Alzheimerkranke Angehörige pflegen müssen. Auch aus dem Bekanntenkreis habe ich mitbekommen und schon auch vorher gewusst, dass die Krankheit wirklich sehr rätselhaft ist und mit den unterschiedlichsten Daseinsformen einhergeht und man da gar nicht sagen kann, “Das ist die Krankheit und so schreitet sie fort und so ist es halt. “Wir können sie nur begleiten, aber wir wissen ja nicht, was sie wirklich empfinden; und das finde ich an dieser Krankheit so schwierig.

Haben Sie in Ihre Familie solche Fälle erlebt?                                                In der Familie nicht, aber im näheren Bekanntenkreis und das kriegt man schon mit. Früher sind die Menschen nicht so alt geworden. Heute werden sie älter und die Krankheit ist dadurch viel verbreiteter.

Es gibt betroffene Menschen, die sagen, dass sie ihr Leben vorzeitig beenden werden, wenn sie erfahren, dass sie dement werden. Haben Sie für deren Entscheidung Verständnis?                                                       Ich habe grundsätzlich Respekt vor jedem einzelnen Leben; und jeder Mensch, glaube ich, hat das Recht, mit seinem Leben zu machen, was er möchte. Ich glaube nicht, dass wir, Außenstehende, beurteilen oder gar verurteilen sollten, wenn andere Menschen mit ihrem Leben etwas tun, was wir vielleicht nicht verstehen. Wir sollten tunlichst dazu neigen, Verständnis zu entwickeln, wie jeder einzelne mit seinem Leben umgeht. Da ich die Krankheit nicht selbst erlebt habe, wage ich nicht zu beurteilen, wie mach sich in der Situation, in einer schweren Krankheit fühlt, wenn man keinen Ausweg sieht.

Hätten Sie Empathie, wenn jemand Ihnen sagen würde, ich bin krank und werde in paar Monaten dement sein. Daher will ich mein Leben vorher beenden?                                                                                                    Ja, hätte ich, weil die Würde des Menschen ist unantastbar. Ich glaube auch, die Würde des Menschen ist dann unantastbar, wenn er mit seinem Leben das tut, was er gerne möchte. Und dieser Respekt sollte jeder jedem Einzelnen entgegenbringen. Till Schweigers Film über dieses Thema hat eine gute Vorlage gegeben. Jetzt ist der Stoff für die Bühne adaptiert. Die Erwartungen der Zuschauer sind bestimmt hoch. Haben Sie Bedenken, dem nicht gerecht werden? Diese Bedenken habe ich überhaupt nicht. Denn wer den Kinofilm erwartet, dem kann ich nur eins raten: ins Kino gehen oder die DVD zu kaufen. Das Medium Theater ist etwas anderes. Man täte ja schlecht daran, wenn man den Film eins zu eins aufs Theater überträgt. Das macht keinen Spaß. Ich glaube, dass wir einfache, tolle, schöne, theatralische Mittel gefunden haben, um diese Geschichte auf die Bühne zu bringen. Vier Personen erzählen das ganze Stück und das sagt ja schon, dass die Mittel des Films hier gar nicht zum Tragen kommen würden; und sofern denke ich mal, die Leute werden die Geschichte erkennen, sie werden die einzelnen Episoden aus dem Film wiedererkennen, was sie auch möchten, aber sie werden auch sehen “Man, auf diese einfache Art und Weise kann man diese Geschichte auch erzählen.“ Oder auf diese theatralische Art und Weise erzählen; und da hat der Theaterregisseur René Heinersdorff eine sehr gute Bühnenfassung adaptiert. Man kann auch viele Sachen erzählen, die im Film eben nicht erzählt werden brauchen, weil sie stattfinden. Ein Gartenfest mit 100 Komparsen ist auf der Theaterbühne uninteressant.

Sie sind sehr erfolgreich vor der Kamera und auf der Bühne. Film und Bühne sind unterschiedliche Zweige. Wo fühlen Sie sich heimisch?       Ich denke, dass jeder Schauspieler gut daran tut, wenn er in erster Linie aus dem Handwerk des Bühnenschauspielers kommt. Diese sogenannten Bretter, die die Welt bedeuten, sind, glaube ich, die Grundlage für alles. Technisch, Sprache, Diktion, sich auf einer Bühne zu bewegen, heißt auch mit seinem Körper was zu tun, also eine Art Sicherheit zu entwickeln. Der Film zeigt Ausschnitte. Die Bühne ist immer die “Totale“. Sie ist gnadenlos. Da kann man nicht weglaufen, die Fehler schlechter kaschieren. Die Aura des Theaterabends bleibt einmalig. Man kann sich nicht in irgendeine Ausrede retten. Man muss auf dieser Bühne “funktionieren“. Und jeder Theaterabend ist einmalig und dadurch anders. Insofern sind es zwei unterschiedliche Handwerksformen, die man miteinander nicht vergleichen kann. Ich weiß nur, dass sich viele Filmschauspieler auf der Theaterbühne, sage ich mal, vielleicht sich etwas schwerer tun als umgekehrt. Ich hab sehr viel gedreht und es ist eine völlig andere Form, aber ich spiele auch genauso gern Theater. Ich habe beides immer gemacht und habe nie aufgehört mit dem einen oder mit dem anderen. Erst mal werde ich mich lange Zeit auf diese Premiere konzentrieren.             

Ich wünsche Ihnen und dem Ensemble viel Erfolg.                              Danke.

Berlin/Schlosspark Theater/ 30.05.2016

© Tahsin Ocak / ARTandCRITIC.com

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